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          2004 - 2006          

 

2006

Alden Biesen

Novi Sad

Kunstraum Kreuzber - Berlin

La Capela - Barcelona

GdK - Berlin

2005

Marko Cepenkov - Prilep

Museum of Cuty Skopje

 München 

Alien Body - Praha, Trnava

2004

Berliner Liste

Tallinn

Nürnberg

MOCA Skopje

Alien Body - Mocow, Vilnius

 

          2001 - 2003         

 

          1997 - 2000         

 

Munich, white BOX, KULTFABRIK, “All about Berlin 3” 

 

 

   

 

   

 

    

Photo: Jovan Balov

 

     

 

     

Photo: Darko Tenev

 

„all about berlin 3“

Inszenierte Bildwelten – Befragung der Realität – Heute

Malerei – Fotografie – Medienkunst

Beispiele aus Berliner Galerien 2005

 

„Befragung der Realität – Bildwelten heute“ war der Titel, den der soeben verstorbene und zu Recht viel bewunderte Kurator Harald Szeemann der richtungsweisenden 5. Dokumenta 1972 voranstellte. Es ging ihm in erster Linie darum „Informationen über Kunst und den Weg zur Kunst“ zu geben. Szeemann unterwies die Besucher im aktiven "Sehen" und erweiterte zugleich die Palette dessen, was Kunst sein kann - auch das Triviale, das Zustandsgebundene, der politische Akt.

 

Als ich im Sommer 2004 anlässlich meiner Ausstellung „all about berlin 2 – Positionen gegenwärtiger Malerei von 5 Berliner Galerien“ die nächste Präsentation „all about berlin 3 - Inszenierte Bildwelten – Befragung der Realität – Heute, Malerei – Fotografie – Medienkunst“ konzipierte, dachte ich in bescheidenem Rahmen an Szeemanns Befragung der Realität und an das, was in den heutigen Bildwelten daran aktuell sein könnte - nochmals: in ganz bescheidenem kleinem regionalem Zusammenhang.

 

Angesichts des plötzlichen Todes von Harald Szeemann, den ich selbst gekannt habe,  und von dem ich, als ich mit meinem Freund und oftmaligen Arbeitspartner Elmar Zorn, der die letzte Schau in der whiteBOX der Kultfabrik München, „all about domagkstrasse“ als Kurator verantwortet hat, beruflich in Mailand unterwegs war, tagesaktuell erfahren habe, als ein Anruf von der Süddeutschen Zeitung kam, und Elmar Zorn um eine Stellungnahme gebeten wurde, zu diesem Tod, bin ich nun gezwungen, mich wesentlich weiter zu erklären, warum ich dieses Thema gerade jetzt gewählt habe, da es  durch diesen Tod so sehr tagesaktuell geworden ist.

 

Ich möchte nicht masslos erscheinen und damit an falschen Masstäben gemessen werden. Zeigen möchte ich mit dieser Ausstellung aus Berlin, oder vielmehr ein wenig hinterfragen, wie in unserer Gegenwart noch Realität abgebildet werden und wie dies künstlerisch untersucht und präsentiert werden kann. Dies in einer Zeit, die einerseits von jedwelchen Inszenierungen geradezu lebt, vom Narzissmus, der Selbst- und Fremdbespiegelung, bis hin zur gesellschaftlichen und politischen Inszenierung in grosser Perfektion und oftmals auch liederlicher schlampiger Peinlichkeit. Die Ausstellung „all about berlin 3“ ist ein Versuch, beispielhaft und zugleich überschaubar im regionalen Rahmen, in Berlin, von Künstlern die gefördert und vermittelt werden von engagierten Galeristen in dieser Stadt Fragen zu gesellschaftlichen Realitäten zu stellen.

 

In unserer medial verfremdeten Gegenwart, in der sich die Realitäten zwischen dem virtuellen Raum und der – oftmals brutalen – sozialen Wirklichkeit überschneiden, wo die Laufbilder der rauschhaft schnell geschnittenen Framworks* simulierter Filmbilder im Computer gesampelt, gedoppelt, rückgekoppelt, verfremdet, auseinander genommen und neu zu hybriden (unterschiedlich zusammengesetzten) Bildern montiert werden am Computer, die uns in eine Beschleunigung versetzen, die den Wunsch aufkommen lässt nach „halt die Welt an, ich möchte aussteigen“, stellen sich insbesondere Fragen nach der Wahrnehmung von alltäglichen Lebenszusammenhängen täglich neuer und wesentlicher. Was will, was kann ich essen? was will, was kann ich tun? was will, was kann ich verändern? was will, was kann ich erhalten? was will, was kann ich bewegen? wohin? wozu? wofür?

 

Die schnelle Fortentwicklung der technischen Reproduktions- und Produktionsmöglichkeiten von Bildern hat nach Johannes Stahl (Kunst als Leben, 1993) die Grundlagen der Wahrnehmung verändert. Filme beispielsweise nutzen die Flüchtigkeit von Bildern und setzen voraus, dass der Zuschauer nicht genügend Zeit

 

hat, um so genau hinzusehen, dass er Filmkulissen als Pappfassaden erkennt. Dafür kann ein Betrachter bewegter Bilder Zeitabläufe miterleben. Diese Möglichkeit kommt der alltäglichen Wahrnehmungsweise ungleich näher als die eher statische Realität eines Stillebens. Für die Betrachtung eines Werkes bildender Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts haben diese Entwicklungen Konsequenzen: die Materialität, aber auch die Spiritualität sind wichtige Kategorien geworden - gleichgültig, ob es um die Wertschätzung handwerklich-materieller Bildkunst geht, oder um die geistige Intensität eines Werks, die sich ändern kann, wie ein Roman auf dem Weg zu seiner Verfilmung.

 

Ein Kunstwerk ist für den Wahrnehmenden immer ein Besucher auf Zeit - egal ob man es besitzt oder nicht. Bildende Künstler haben an dieser Vorgabe immer wieder angesetzt. Eine Gattung wie das Stilleben kultiviert diese Bindung an die Zeit sogar mit ihrer Thematik und Wirkungsweise. Das in seiner Substanz auf Dauer angelegte Ölbild setzt sich in eine eigenartige Wechselbeziehung zum Betrachter. Allerlei Attribute wie Uhren oder Obst mit daran nagenden Insekten erinnern ihn an seine verrinnende Lebenszeit. Der verführerische Realitätsgrad der Darstellung, aber auch das sorgfältig inszenierte Arrangement steht jedoch in eigenartigem Kontrast zur Flüchtigkeit, mit dem ein Betrachter das Bild wahrnimmt und seine Eindrücke wirken lässt.

 

Die Computer machen alles nur noch schneller, können Täuschungen noch undurchschaubarer machen, die Fragen nach Wahrhaftigkeit überwinden in eine Scheinwelt in der sich Raum und Zeit aufzuheben scheinen. Und doch, oder auch folglich (?)  sind individuelle Armut, Sinnentleertheit, soziale Krankheit und Zukunftsängste für unsere Wohlstandsrealität zur Bedrohung geworden.

 

Nach den satten Jahren der Beliebigkeit, der Spassgesellschaft und des postmodernen Eklektizismus im Rückgriff auf andere als eigene schöpferische Leistungen, setzen sich zunehmend Künstler wieder mit den Realitäten auseinander. Hierzu benötigen sie neben viel Wissen um das, was diese Welt zusammen fügt und hält, auch einer fundierten handwerklichen Praxis, um wieder ihre Eindrücke von Welt präzise und zugleich zeitgemäss ausdrücken zu können. Sie bedienen sich dabei, neben dem Rüstzeug des künstlerischen Handwerks der Wissenschaften und der Theorien, neuer Ausdrucksmittel, die oftmals die herkömmlichen künstlerischen Genregrenzen verlassen. In den allseits inszenierten Bildwelten, die unsere Wahrnehmungen so sehr bestimmen, inszenieren sie ihre analytischen Bilder, sei es in der Malerei, in der Fotografie oder in der Medienkunst.

 

Zu den besonderen Herausforderungen heutiger inszenatorischer Praxis zählt es dabei, gegenwärtige künstlerische Positionen und kulturelles Wissen in neue Kontexte zu implementieren. Zentral ist dabei die Frage, wie künstlerische Praxis sich in gegenwärtigen gesellschaftlichen Zusammenhängen denken und realisieren lässt. Setzen, Sampeln, Zitieren – Erinnerungsstrategien folglich -, halten Einzug in die Gegenwartskunst.

 

Reflexionen über gegenwärtige gesellschaftliche Realitäten, über das Verhältnis von Kunst, Natur, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft und Technik, werden zunehmend (wieder) zum Gegenstand künstlerischer Bildwelten. Kunst wird (auch) wieder politisch, setzt sich mit der sozialen Wirklichkeit auseinander, spiegelt diese in den Werken.

 

Die Inszenierung dieser Themen durch Künstler in Malerei, Fotografie und Medienkunst wird unter dem Titel „all about berlin 3 - Inszenierte Bildwelten – Befragung der Realität – Heute, Malerei – Fotografie – Medienkunst“ an ausgewählten Werk-Beispielen ab 15. April bis zum 6. Juni 2005 in der whiteBOX der Kultfabrik München gezeigt.

 

Werke folgender Künstler werden präsentiert:

Holger Bär, Jovan Balov, Barbara Caveng, Costantino Ciervo, Gunda Förster, Ingeborg Fülepp/Heiko Daxl – media in motion berlin/zagreb, Laura Kikauka, Ulrich Langenbach, Hans van Meeuwen, Pin Qiu, Judith Samen,  Schütz, Kerstin Serz, Salome´, Lissette Verkerk, Mariana Vassileva, Cora Volz etc.

 

Sie werden überwiegend betreut und vertreten von den Berliner Galerien

DNA-Neue Aktionsgalerie

Galerie Deschler

Galerie Horst Dietrich

galerie tammen & busch

GALERIE RAFAEL VOSTELL Berlin.

 

Berlin, 8. März 2005

 

Rolf Külz-Mackenzie

Kurator

 

* Framework (engl. Rahmenwerk, Fachwerk) ist ein Begriff aus der Computer-Programmierung, insbesondere der objektorientierten Computer-Programmierung.

Im Gegensatz zur Programmbibliothek besteht ein Framework zusätzlich aus einem Hauptprogramm, das die globale Steuerung übernimmt. Wörtlich übersetzt bedeutet Framework (Programm-) Gerüst, -Rahmen oder -Skelett. Dies drückt

aus, dass die Grobarchitektur bereits vorgegeben ist, und dass nur noch an ganz bestimmten Stellen applikationsspezifischer Code "eingehängt" wird. So gesehen definiert ein Framework eine Standard-Softwarearchitektur. Die eigentliche Applikation umfaßt also kein Hauptprogramm mehr sondern wird von Framework-Komponenten aus aufgerufen, im Gegensatz zur Programmbibliothek (Toolkit), wo die Komponenten vom individuellen Programm aus aufgerufen werden.

Ein Framework ist immer auf eine spezielle Klasse von Applikationen und damit speziellen Anwendungsbereich ausgerichtet; Beispiele sind Frameworks für graphische Editoren, Buchhaltungssysteme oder elektronische Warenhäuser im WWW. Das im Framework enthaltene Hauptprogramm realisiert das gemeinsame Verhalten aller Applikationen dieses Anwendungsbereichs.

Technisch gesehen besteht ein Framework aus einer Reihe von Klassen bzw. Bibliotheken. Analog zu Bibliotheken sind diese für die Entwurfstätigkeit irrelevant und werden daher in einer Architektur nicht oder nur rudimentär dargestellt. Aus der Sicht der objektorientierten Computer-Programmierung ist ein Framework ein Nicht-Lauffähiges Klassenmodell, welches durch Vererbung der Methoden oder durch Delegation an Framework-Klassen und durch einen definierten Einstiegspunkt eine spezielle Anwendung realisiert.