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Ich in Berlin |
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Jovan Balov: Ich
in Berlin 2000
Martin B. Chidiac Kulturamt Dresden
Der Andere stört. Wenn
Jahwe dem Abraham befielt sein Haus zu verlassen in fernen Länder zu
ziehen, seinen Sohn zu töten, so stört der Andere gewaltig. Der Ruf des
Herren“ aber fordert heraus die eigene Existenz zu erleben, denn Abraham
antwortet dem, der da spricht und den er nicht sieht den er nicht kennt,
von dem er nur weiß, das ist der „ganz andere“, der „Ich bin, der
ich bin“ und während er antwortet, nennt er sich selbst „Ich‘ und
den anderen „Du“. Das unbekannte sprechende Antlitz des Anderen nennt
Hagar, die Nebenfrau Abrahams, mit den einfachen Worten: „Du bist ein
Gott der mich sieht“(1) und formuliert damit die Asymmetrie dieses
Dialoges mit dem Anderen.
Dem Welträtsel seiner
geheimnisvollen Existenz ist der Mensch in allen Mythen und Religionen mit
der Vorstellung des ganz Anderen entgegengetreten, das ihn geschaffen, das
ihn vorgelebt hat, das ihn Weisungen gibt, ihn stört und seine Existenz
spüren lässt, das aber unbekannt, unsichtbar undarstellbar ist. Der
„Ruf des Herrn“ ist für Jean-Fran9ois Lyotard eine Erfahrung und
Erkenntis der ersten Person oder zumindestens des Selbst(2).
Staaten, Religion und Völker
umgeben sich mit Symbolen, die den Mythos ihrer Gemeinschaft darstellen.
Roland Barthes beschreibt den Mythos als Naturalisierung der
Geschichte(3). Diese Rückbindung heißt demnach sichtbar zu machen,
welche politische Funktion der Mythos im jeweiligen historischen Kontext
besitzt.
Jovan Balov verarbeitet die
Mythen und Symbole, die ihn in seiner Heimat Makedonien aus allen Teilen
des Balkan erreichten. Die an den Kriegen auf dem Balkan während der
letzten zehn Jahre verwendeten Symbole benutzten die beteiligten Staaten
und Volksgruppen, um sich von „den Anderen“ abzugrenzen. Bei näherer
Betrachtung der Symbole entdeckte Baby, dass der Kanon der verwendeten
Motive durchaus begrenzt ist. In seinem derzeitigen Wohnort Berlin,
umgeben von Bauten, Statuen und Bildern aus verschieden Epochen
Deutschlands ging er auf Entdeckungsreise in die Welt der Symbole.
Er sieht kraftvolle und
nachdenkliche Männer, idealisierte Frauen: Die kraftvollen Männer
befreien die Nation vom Ungemach der Geschichte, die nachdenklichen
symbolisieren die Kulturnation Deutschland, Bilder idealisierter
Weiblichkeit fungieren als Repräsentation des imaginär
Gemeinschaftlichen. Als das „Andere“ versprechen sie die verbindende
Einheit der Nation jenseits der partikulären Interessen der
Geschichtsakteure.
Balov verfremdet die
vorgefunden Abbilder mit Hilfe des Computers und unterlegt sie mit den
Grundfarben rot, gelb und blau. Mit Hilfe dieser Abstraktion werden die
ihm umgebenden Symbole um so deutlicher herausgestellt.
In der Form, in der Jovan Balov die Symbole der Macht deutscher Epochen aufdeckt und Sie in Bezug zur aktuellen Situation im Balkan setzt, vergegenwärtigt er deren Begrenztheit.
1
1, Mose 16,13
2
Jean-Fran9ois Lyotard: Der Widerstreit, Supplemente Bd. 6, München 1987
Roland
Barthes: Mythen des Alltags, Frankfurt/M. 1957
Iwona
Mickiewicz - Szturo
„ASPECTE“
im Südost Europa Kultur Zentrum
Die heutigen Ausstellung: „Aspekte“ sind in der Thematik wie in der vorgestellten Form und Konzeption im Raum des Südost Zentrums symbolisch oder fast diabolisch. In „Aspekte“ haben sich drei Künstler getroffen, die mit einander durch die Thematik der vorgestellten Werke korespondieren : Slavco Sokolovski, Ice Teodosievski und Jovan Balov...
...Jovan Balov wohnt in Berlin, um sein heutiges Triptychon „ich in Berlin“,
seine heutige Verabredung mit dem Leben zusammen mit der berlinischen
Skulptur Der Heilige Georg, Siegessäule und Adlerkopf von Lümke zu öffnen
und zu schließen.
Balov
schwitzt mit eigenem, berlinischem Schweiß in einem Theaterspiel mit
eigenem Kopf, dem Pferd, dem Adler. dem Drachen und und dem Heiligen
Georg.
Zusammen
mit den Flügeln der Siegessäule möchten sie den Sieg feiern. Natürlich
wolleh sie den Drachen töten, wie in alten Mythen, nun, bei Balov haben
sich Georg und der Drache versteckt und bliebt die narzistische Linie von
dem Balovkopf, Pferdekopf und Adlerkopf. Leider kein Profil
sonst wäre es zu diabolisch. Oder zu gefährlich, denn 32 Länder
tragen oder trugen den Adler als Wappen. Nationalistisch oder narzistisch
hat dieses Theaterspiel immerhin 4 Szenen gezeigt und ohne
Eintrittskarten.
Die
Ausstellung “Aspekte“ ist
durch die alten Mythen, Mittelalter, Christentum, Moderne und
konzeptueller Kunst ein Klang aus Makedonien, einer Landmagie slavischen,
grichischen und orientalischen Ursprungs.
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