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"With my Eyes - Christian Daniel Rauch" "With my Eyes - Karl Friedrich Schinkel" 2010, acry on canvas, 105cm x 115cm 2010, acry on canvas, 105cm x 115cm
Mit meinen Augen Jovan Balov
Das 18. und 19.
Jahrhundert war der entscheidendste Zeitraum für die bauliche Entwicklung
Berlins, in der zudem viele künstlerische Prozesse stattfanden.
Diese Art der
organisierten Aktivität in der Kunst wiederholt sich gelegentlich in der
Geschichte und führt oftmals zu einem kollektiven und kreativen Bewusstsein.
Im Zuge der rasanten Entwicklung Berlins wurden viele Meisterwerke in der
Architektur, der bildenden Kunst, der Literatur, der Musik, des Theaters wie
in den Wissenschaften geschaffen, die die Stadt teilweise bis heute prägen.
Seit einiger Zeit
befasse ich mich mit der Entdeckung der Werke dieser Berliner und weiterer
Künstler wie z.B. auch mit dem Maler Adolf Menzel. Während ich ihre Poträts
und Werke analysierte, begann ich ihre inneren Inhalte und Botschaften zu
verstehen und somit auch ihre Identität in der psychologischen Atmosphäre
ihrer Werke. Das war für mich eine erste Motivation jene Skulpturen von Künstlerpersönlichkeiten selbst zu porträtieren. So machte ich mich zunächst auf die Suche nach Plastiken nach ihren Abbildern in Berlin und dokumentierte sie aus unterschiedlichen Perspektiven fotografisch. In diesen Fotos konnte ich bereits den Charakter der jeweils dargestellten Persönlichkeit spüren, doch wollte ich in meiner Malerei nicht nur ihren Charakter festhalten, sondern den Porträts ein neues Leben einhauchen.
Aus diesem Grund und da ich die Berliner Künstler des 18. und 19.Jahrhunderts nicht persönlich kennen und hinterfragen kann, entschied ich mich, ihnen eine zweite emotionale Ebene zu geben, indem ich ihnen echte Augen, meine eigenen Augen und somit auch eine emotionale Situation von mir, verliehen habe. Auf diese Weise gewannen jene bedeutenden Künstler und ihre Kunstwerke ein neues Augenlicht und können die heutige Welt nun symbolisch durch meine Augen wahrnehmen. In einem derartigen Konzept kehrt ihre historische Wichtigkeit und Rolle zurück und realisiert sich in der zeitgenössischen Kunst.
Ähnliche Beispiele der Wiederbelebung einer Skulptur kennt die Kunstgeschichte seit der Antike. Noch heute existiert die falsche Annahme, dass Skupturen der hellenistischen Zeit weiß waren, weshalb das Bild der weißen Skulptur viele Epochen überlebte, doch tatsächlich waren sie bunt, detailgetreu bemalt und somit wesentlich realistischer als gemeinhin angenommen. Die Augen wurden aus Edelsteinen modelliert und als letzter Arbeitsschritt an die Skulptur angebracht.
Der für mich und meine Arbeit entscheidende Punkt ist der Zusammenschluss von drei künstlerischen Positionen: die der Antike (das Malen von lebendigen Augen), die der preußischen Kunst (das Porträtieren von und nach Skulpturen) und die der zeitgenössischen Kunst (fotorealistische Malerei). Jene drei Positionen schließen den Kreis, der die für mich wichtigsten kunsthistorischen Momente beinhaltet und machen ihn zeitlos. Dieser Kreis ist außerdem als neue Position zu verstehen, die die Berliner Kunstszene des 18./19. Jahrhunderts als kollektiven Zusammenschluss betrachtet und mich gleichzeitig neues Material für meine zeitgenössischen Konzepte und malerischen Prozesse entdecken ließ.
18.04.2011 Berlin
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