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 Portraits

 

Portraits with library

Stefan Jankulovski

  With my Eyes

EGO SUM QUI SUM

Portraits - My first circle

 

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Other Works

 

Prints   

 

Photo   

 

Video  

   

 

With my Eyes - 

Christian Daniel Rauch, 2010

acryl on canvas, 105cm x 115cm 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

With my Eyes -

Karl Friedrich Schinkel, 2011

acryl on canvas, 105cm x 115cm

 

 

With my Eyes -

Johann Gottfried Schadow, 2012

acryl on canvas,  105cm x 115cm

 

 

 

 

 

 

 

 

With my Eyes -

Adolph Friedrich von Menzel, 2013

acryl on canvas, 105cm x 115cm

 

Mit meinen Augen

Jovan Balov

 

Das 18. und 19. Jahrhundert war der entscheidendste Zeitraum für die bauliche Entwicklung Berlins, in der zudem viele künstlerische Prozesse stattfanden. Einer der wichtigsten Menschen, der den Fortschritt der Stadt begünstigte, war Friedrich II., der seine Ideen zu realisierten suchte, um aus Berlin eine neue europäische kulturelle Metropole zu erschaffen. Seine vielen Investitionen in die Gestaltung der Stadt und in die Kultur, die Wissenschaften und die Künste, machten Berlin für viele berühmte Künstler attraktiv die die Stadt besuchten, um teil zu haben an den kreativen Prozessen.

 

Diese Art der organisierten Aktivität in der Kunst wiederholt sich gelegentlich in der Geschichte und führt oftmals zu einem kollektiven und kreativen Bewusstsein. Im Zuge der rasanten Entwicklung Berlins wurden viele Meisterwerke in der Architektur, der bildenden Kunst, der Literatur, der Musik, des Theaters wie in den Wissenschaften geschaffen, die die Stadt teilweise bis heute prägen.

Für mich als Künstler, der seit über zwanzigen Jahren in Berlin lebt und arbeitet und sich mit der Stadt auseinander setzt, steht die Analyse der vormaligen künstlerischen Szenen und ihrer bedeutensten Vertreter im Vordergrund meines Interesses.


Noch heute kann man in Berlin viele Skulpturen, Porträts und Bildnisse von bedeutenden Vertretern jener Kunstszenen des 18. und 19. jahrhunderts wahrnehmen oder entdecken. Oft poträtierten sich beispielsweise die bedeutetenden Bildhauer gegenseitig, sodass wir heutzutage die Möglichkeit haben, zu sehen, wie diese Persönlichkeiten aussahen. Es befinden sich Skulpturen im Stadtraum aus Bronze und Stein, sowie Gipskopien von Künstern wie u.a. Johann Gottfried Schadow, Christian Daniel Rauch, Karl Friedrich Schinkel,
Adolph Friedrich von Menzel, Johann Friedrich Drake, August Kiß oder Reinhold Begas, dem zur Zeit eine Ausstellung gewidmet ist.

 

Seit einiger Zeit befasse ich mich mit der Entdeckung der Werke dieser Berliner und weiterer Künstler wie z.B. auch mit dem Maler Adolf Menzel. Während ich ihre Poträts und Werke analysierte, begann ich ihre inneren Inhalte und Botschaften zu verstehen und somit auch ihre Identität in der psychologischen Atmosphäre ihrer Werke. Das war für mich eine erste Motivation jene Skulpturen von Künstlerpersönlichkeiten selbst zu porträtieren. So machte ich mich zunächst auf die Suche nach Plastiken nach ihren Abbildern in Berlin und dokumentierte sie aus unterschiedlichen Perspektiven fotografisch. In diesen Fotos konnte ich bereits den Charakter der jeweils dargestellten Persönlichkeit spüren, doch wollte ich in meiner Malerei nicht nur ihren Charakter festhalten, sondern den Porträts ein neues Leben einhauchen.


Ich befasse mich neben anderem seit längerem mit hyperrealistischer Malerei. Diesen Hyperrealismus, der also über die Realität und das reine Abbilden hinaus geht, setze ich ein, weil ich in meinen Porträts immer nach zwei gegensätzlichen Emotionen der porträtierten Person suche und diese als Konflikt in der Malerei verschmelzen lasse. Das Porträtieren nach Skulpturen ist eine Arbeit mit einem bereits abgeschlossenen Werk und somit mit einem bereits eingefangenen psychologischem Moment.

 

Aus diesem Grund und da ich die Berliner Künstler des 18. und 19.Jahrhunderts nicht persönlich kennen und hinterfragen kann, entschied ich mich, ihnen eine zweite emotionale Ebene zu geben, indem ich ihnen echte Augen, meine eigenen Augen und somit auch eine emotionale Situation von mir, verliehen habe. Auf diese Weise gewannen jene bedeutenden Künstler und ihre Kunstwerke ein neues Augenlicht und können die heutige Welt nun symbolisch durch meine Augen wahrnehmen. In einem derartigen Konzept kehrt ihre historische Wichtigkeit und Rolle zurück und realisiert sich in der zeitgenössischen Kunst.

 

Ähnliche Beispiele der Wiederbelebung einer Skulptur kennt die Kunstgeschichte seit der Antike. Noch heute existiert die falsche Annahme, dass Skupturen der hellenistischen Zeit weiß waren, weshalb das Bild der weißen Skulptur viele Epochen überlebte, doch tatsächlich waren sie bunt, detailgetreu bemalt und somit wesentlich realistischer als gemeinhin angenommen. Die Augen wurden aus Edelsteinen modelliert und als letzter Arbeitsschritt an die Skulptur angebracht.

 

Der für mich und meine Arbeit entscheidende Punkt ist der Zusammenschluss von drei künstlerischen Positionen: die der Antike (das Malen von lebendigen Augen), die der preußischen Kunst (das Porträtieren von und nach Skulpturen) und die der zeitgenössischen Kunst (fotorealistische Malerei). Jene drei Positionen schließen den Kreis, der die für mich wichtigsten kunsthistorischen Momente beinhaltet und machen ihn zeitlos. Dieser Kreis ist außerdem als neue Position zu verstehen, die die Berliner Kunstszene des 18./19. Jahrhunderts als kollektiven Zusammenschluss betrachtet und mich gleichzeitig neues Material für meine zeitgenössischen Konzepte und malerischen Prozesse entdecken ließ.


Jovan Balov

18.04.2011

Berlin