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„Final Countdown“, 06:37 min. 2006

camera: Dragan Zivancevic, Dragan Matic, sound: Dragan Matic

editing: Dragan Zivancevic, Jovan Balov

production: Prima Center Skopje/Berlin

 

 

 

„Final Countdown“, (2006 Novi Sad, Video, 6:40 Minuten) Dem Video liegt eine Performance zu Grunde über das Ende Jugoslawiens. In Novi Sad, der Regionalhauptstadt der serbischen Provinz Vojvodina, der vormals multiethnischsten Region Europas im Norden des ehemaligen Jugoslawiens, hatte Jovan Balov eine Ausstellung eigener Werke. Dort kam ihm die Idee eine Aktion zum Ende der Vielvölkerrepublik der Süd-Slawen zu machen und einen Videofilm dazu zu drehen. Der Film mit dem Titel „Final Countdown“, also der „abschliessende Startschuss“ hat im Vorspann als Motto den Satz „It began, at least, like my other day ...“ (deutsch: „es begann wenigstens wie mein anderer Tag ...“). Der Film beginnt mit dumpfem Trommeln, Autohupen in drei verschiedenen Tonlagen sowie mit einer tonalen Verzerrung durch zu schnelles oder langsames Abspulen einer Tonschleife als immer wiederkehrender Loop.

 

Grauer Beton und der Schlagschatten eines Laufenden kommen ins Bild, die Kamera folgt auf Abstand und es wird eine Brücke sichtbar mit Jovan Balov in Rückenansicht, gänzlich schwarz gekleidet, auf dem Gehweg. Sein Gang ist ein wenig unsicher, Autos fahren in Gegenrichtung an ihm vorbei. Das steinerne Brückengeländer weicht einem blau gestrichenen Stahlgeländer mit Längsstreben, welches linksseitig diagonal am Bildrand verläuft. Balovs Kopf bleibt zumeist abgeschnitten und der Körper von den Füssen bis zu den Schultern wird gelegentlich durch Überblendungen gedoppelt. Die Tonloops nerven.

 

Als Balov die Flussmitte auf der Brücke erreicht hat, bleibt er am Geländer stehen und schaut über den dahinfliessenden Fluss, die Donau in Novi Sad. Ein Fahrgastschiff liegt am anderen Ufer. Es folgt eine Überblendung auf das bewegte Flusswasser, in dem ein Schatten Balovs sichtbar bleibt und die Brücke mit Balov wird eingeblendet, der etwas von dem blauen Geländer zurück tritt und eine Flagge von Jugoslawien - rot weiss blau, quergestreift mit dem fünfzackigen roten Stern – entfaltet. Er streift sich die Flagge über die Schultern , spannt sie auf dem Rücken zwischen die ausgestreckten Arme in den Fäusten. Die Kamera zeigt ihn von hinten gegen den Wind vor der Uferkulisse der Stadt. Seine Kopfhaltung drückt Pathos aus. Die Tonloops werden durch leichte Trommeln beschleunigt, das Bild wechselt in Seitenansicht von Balov mit nach hinten gestrecktem Oberkörper mit der Flagge zwischen den Fäusten und wieder in Rückenansicht. Balov streift die Flagge über den Kopf, steigt auf den unteren Längsrahmen des Brückengeländers und lässt die Flagge über dem Wasser im Wind wehen. Die Einstellungen wechseln und zeigen Balov unscharf von unten, seitwärts, immer mit der Flagge im Wind, bis er schliesslich, begleitet von einer Musiksequenz aus der jugoslawischen Nationalhymne die Flagge in den Fluss gleiten lässt. Sie sinkt in mehreren Wiederholungen ins Wasser, geht endlich in graubrauner Brühe unter. Ins Bild kommen ein Fuss und ein Hosenbein zwischen dem Brückengeländer über dem Fluss. Der Schlussblende folgt der Abspann ohne Ton.

 

Der Film ist einfach montiert, er zeigt den Akt des Versinkens des marode gewordenen Jugoslawiens in den fliessenden Lauf des grossen europäischen Flusses, in der Donau, oder in den Fluss der Geschichte, die das ehemalige KuKnien verbunden hat. Der Ton ist quälend, die Handlungen sind von Pathos getragen. Der Film ist entsprechend der Performance, die er dokumentiert, vieldeutig. Ist er ein Bestattungsritual?, oder will er den Untergang - von Menschenhand betrieben - nur symbolisch zeigen, das Finale, der Countdown, wie der Titel heisst?

 

Rolf Külz-Mackenzie

Berlin im Juni 2007